Nach einem fliegenden Wechsel des Organisten gelangten wir zum Kern der musikalischen Darstellung der Geschichte des Martyriums, das von Luc Seydoux in 5 Tongemälden Programm-mässig präsentiert wird. Wir stellen uns vor, dass diese Tongemälde in einem kleinen Museum hängen. Sie sind von unterschiedlicher Grösse. Für das Eintreten und den Gang von Bild zu Bild verwenden wir wie bei einer musikalischen Rahmenerzählung die 5 der 6 Promenaden aus dem Originalwerk für Klavier von Modest Mussorgski „Bilder einer Ausstellung“. Bei Mussorgski hingen Bilder seines Freundes Viktor Hartmann an der Wand. Passend zum heutigen Anlass haben wir die Tableaus von Hartmann durch die erwähnten 5 Tongemälde ersetzt.
Auf dem Klavier im Kirchenschiff erklangen die Promenaden, auf der Orgel die Tongemälde; bemerkenswert die besonderen Orgel-Klangeffekte oder wie die Gebete von Felix oder Regula immer wieder hörbar waren. Die schnelle Abfolge der zu vertonenden Szenen in den ersten vier Tongemälden stellte hohe Anforderungen an den Organisten.
Das erste Tongemälde war zur Hälfte auskomponiert, das letzte Tongemälde vollumfänglich. Die mittleren Tongemälde wurden weitgehend improvisatorisch vorgetragen. Das Konzept: das Christliche, Gute klang harmonisch, das Heidnische, Böse konsequent unharmonisch, atonal.
| Mönchisches Leben, Fasten, Nachtwache Regula und Felix beten Zweifaches Lauern und Suchen der Schergen sowie Entgehen Freiwilliges Stellen und Festhalten Befragung durch den röm. Statthalter und Verweigerung | Das erste Tongemälde ist von mittlerer Grösse und Dauer. In der linken Spalte sehen wir die einzelnen Stationen des Tongemäldes. Das weibliche Gebet ertönt hell, das männliche dunkel, sie beten auch kurz gemeinsam; die Fragen des Statthalters sind undeutlich, wirr. |
| Drohen und Weigern Brodeln und Sieden des Oels Oel über Kopf und Hände Verbrennungen Verharren im Gebet | Das zweite Tongemälde ist klein und damit kurz. Das brodelnde, siedende Oel lässt sich gut erkennen, ebenso das Giessen über Kopf und Hände, die Verbrennungen. Zur Darstellung werden unübliche Registrierungen verwendet. Das Verharren im Gebet wirkt dank anderer Register nicht mehr so rein. |
| Erneutes Befragen Weigerung der beiden Christen Gereizheit des Richters und Eskalation Ingangsetzen des Rades mit verletzenden Radspitzen Marterung auf glühendem Eisenrost Vergib Ihnen, Danken | Das dritte Tongemälde ist ebenfalls klein und kurz. Die verletzenden Radspitzen sind hörbar. Ebenso die Marterung auf dem glühendem Eisenrost. Auch hier unübliche Registerzusammenstellung. |
| Gespanntes Warten der Menge Enthauptung Wegtragen der Köpfe durch die Enthaupteten | Auch das vierte Tongemälde ist kurz und bündig und passt zum geflügelten Wort: „churze Prozäss mache“. Die Menge wartet, es passiert wenig. Nach kurzer Spannung folgt dann die brutale Enthauptung und das anschliessende Wegtragen der Köpfe durch die Enthaupteten. |
| Karl der Grosse erscheint, majestätisch und nachdenklich Aufruf zur Jagd des Hirsches und Verfolgung im Unterholz Der Hirsch hält an und entflieht erneut Die Jagdgesellschaft gruppiert sich erneut um Karl den Grossen Zweiter Aufruf zur Jagd Der Hirsch entflieht, geht kurz in die Knie und sein helles Geweih erstrahlt am Grabe der Heiligen Jäger, Kaiser und Hofstaat sammeln sich ein letztes Mal und ziehen pompös ab. | Das fünfte Tongemälde wirkt dagegen monumental wie z.B. die bekannten Seerosenbilder von Claude Monet. Die Steigerung zum hin Schluss erfolgt behutsam. Und während bisher alles um das Jahr 300 geschah, liegt das Geschehen dieses Teils um das Jahr 800. Rang und Ausstrahlung Karls des Grossen zeigen sich eindrücklich in diesem Teil. Die Musik wirkt majestätisch wie auch nachdenklich. Nach dem Aufruf zur Jagd wird die Verfolgung des Hirsches aufgenommen. Nicht laut, aber schnell ist die Szene. Den Hirsch sehen die Verfolger nur ab und zu aus den Augenwinkeln im rasenden Ritt durch das Unterholz. Zuweilen hält der Hirsch an und galoppiert in eine andere Richtung. Auch bei der zweiten Verfolgung kann der Hirsch entfliehen, geht kurz in die Knie und sein helles Geweih erstrahlt am Grabe von Felix und Regula, dort wo das heutige Grossmünster steht. Quasi im Schluss nach dem Schluss schleicht sich ein letztes Mal kurz und intensiv die Disharmonie des Bösen ins Geschehen und die Vibrationen der tiefen Orgeltöne sind sogar im Solarplexus spürbar, als würde ein letztes Mal die ganze Orgel brodeln. |






