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Römisch-Katholische Kirche

St. Felix und Regula

kirche180swWie am Anfang des Schöpfung steht am Anfang eines Kirchenbaus eine Vision. Der Architekt des Kirchenbaus, Fritz Metzger, verwirklichte die Vision des Zeltes. Der Rundbau, seinerzeit geradezu eine Revolution, sowie die Pfeiler, die sich durch den ganzen Kirchenraum ziehen, veranschaulichen dies.

Das Zelt ist eines der vielen Kirchen-Bilder der Bibel. In der Johannes-Offenbarung 21, 2-4 lesen wir:

«Ich sah (Vision) die heilige Stadt das neue Jerusalem, von Gott heraus dem Himmel herabkommen; Sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat. Da hörte ich  eine laute Stimme vom Thron her rufen: seht, das Zelt Gottes unter den Menschen!  Er wird in Ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und Gott selbst wird mit ihnen sein. Er wird jede Träne aus ihren Augen wischen. Der Tod wird nicht nicht mehr sein, noch Trauer noch Mühsal, denn alles, was früher war, ist vorbei».

Auch die hohe Kunst der Architektur einer Kirche soll wie die andern Künste aus dem unerschöpflichen Reichtum biblischer Bild-Vorlagen schöpfen und Dienerin Gottes und seiner vor IHM versammelten Gemeinde sein.

Fritz Metzger, der Architekt schreibt dazu Folgendes: «Dem baulichen Bereiten des Gottesdienstes soll das Interesse des Architekten gelten. Die ganze räumliche Entwicklung einer Kirchenanlage soll den Gläubigen vom Portal (Eingang) bis vor die Stufen des Altars Wandlung erleben lassen. Diese darzustellen und erfahrbar zu machen, heisst differenzieren und stufen in Vorhof, Portal, Gemeinderaum und Chor.

Es soll versucht werden, das Hinziehen und Aufgenommen werden, das Empfangen und Geben baukünstlerisch anschaulich zu machen; wie Priester und Gläubige aufs engste zu einer feiernden und handelnden Gemeinde verbunden sind - und das LICHT über ihr steht.

Dem Erleben des Göttlichen soll alles Hindernde weggeräumt und der Weg bereitet werden. Nur was erbaut, vermag zu erbauen; was wahrhaftig ist, uns zu ernähren; was Schönheit erlangt hat, den Ausdruck unendlicher Kraft, uns zu bewegen und zu begeistern. Architektur ist befähigt zum Dienst am Gläubigen und an der Kirche; sie ist aber auch unmittelbares Opfer des Lobes und Dankes».

So zutreffend kommentiert Fritz Metzger, selber ein Pionier kirchlicher Baukunst fürs zweite Halbjahrhundert. Von ihm, wie gleichzeitig von Hermann Baur, sind neue und wegweisende Impulse ausgegangen. Der Architekt hatte es mit der ganz neu konzipierten - nicht einfach mehr kopierten - Kirchen-Architektur nicht leicht, gegen neun andere Vorschläge und die Jury zu obsiegen. Es ist das grosse Verdienst des damaligen Bauherrn, Pfarrer Benjamin Simmen (1888-1953), dass er erwirkte: Diese Kirche wird gebaut.

In den Akten aus jener Zeit ist zu lesen: «Die rein fachliche Kompetenz der Jury ist nicht anzuzweifeln, aber einem der Hauptpreisrichter waren als Protestant die Dinge der liturgischen Erneuerung, um die es heute in erster Linie geht, fast völlig fremd. In einer Zeit des Neubeginns braucht es in der Jury Leute, die nicht nur zur Architektur im Allgemeinen, sondern auch zu den Dingen, die ihr vorangehen - im Falle Kirchenbau, also zu den theologischen und liturgischen Voraussetzungen - ein lebendiges Verhältnis haben.

Dank dem aufgeschlossenen Pfarrer wurde das Projekt von Metzger dann doch ausgeführt, und St. Felix und Regula ist zu einem der wesentlichsten und anerkanntesten Kirchenbauten unserer Zeit geworden». So Hermann Baur.

Wir finden zudem in der Architektur einen Grundgedanken der St. Felix und Regula Legende aufgenommen. Die Heiligen mitsamt ihren Gefährten waren lange und weit unterwegs, wohl auch in Zelten, bis sie sich im damaligen Zürich niederliessen, und aus ein paar lebendigen Bausteinen christliche Glaubens-Gemeinschaft, lebendige Kirche aufzubauen begannen. Auch diese Grundidee der Bausteine finden wir verwirklicht in den eigens angefertigten Bausteinen des ganzen Kirchenraumes.

Spätere Zeiten bauten dann ein Haus, eine Wohnung, das Gottes-Haus, Gottes-Wohnstätte unter, bei, mit und für uns Menschen. Jesus Christus nennt es das Haus des Vaters, Haus des Gebetes.

Aus der Festschrift "50 Jahre Kirche und Pfarrei St. Felix und Regula", 2000