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Römisch-Katholische Kirche

St. Felix und Regula

Werdegang unserer Glocken

"Es ist schicklich, dass jede Kirche ihre Glocken hat, mit denen die Gläubigen zum Gottesdienst und anderen frommen Übungen eingeladen werden." So bestimmt das kirchliche Gesetzbuch im Kanon 1169. Am 8. Oktober 1953 erfolgte in Aarau der mit Spannung erwartete Glockenguss. 120 Personen, darunter Stifter und Paten, erlebten das einmalige, historische Ereignis.

Früher zogen die Glockengiesser zu ihren Auftraggebern und gossen die Glocken an Ort und Stelle. Heute erfolgt die lange Vorbereitung zum Glockenguss im Werkraum der Giesserei. Wenn die Besprechungen, Vorarbeiten und Zeichnungen auf dem Papier abgeschlossen sind, beginnt die Arbeit in der Werkstatt der Giesserei. Zuerst wird der Glockenkern aus Backsteinen aufgemauert. Dieser Kern entspricht dem Glockeninnern. Er muss einen Hohlraum aufweisen, worin ein Feuer unterhalten wird zum Brennen und Trocknen der Glockenform.

Über dem Glockenkern wird die sogenannte falsche Glocke geformt. Die falsche Glocke hat genau die Grösse und Dicke der späteren metallenen Glocke samt Inschrift und Zierat. Über der falschen Glocke entsteht der dritte Formprozess, der sogenannte Glockenmantel. Dieser Mantel ist äusserst fest, damit er von der feuerflüssigen Glockenspeise nicht zersprengt wird.

Sobald Kern und Mantel in der Gussgrube hart geworden sind, wird die Zwischenform, die falsche Glocke, entfernt und zerschlagen. Somit entsteht zwischen Mantel und Kern jener Hohlraum, der genau die spätere Glocke ausmacht.

Die Glockenform in der Grube, mit Lehm zugedeckt und eingestampft, erwartet den Einfluss der glühenden Glockenspeise aus dem Hochofen. Die Formen stehen in der Giessgrube, „festgemauert in der Erde — steht die Form aus Lehm gebrannt". Zu ebener Erde ist das Kanalsystem vom Hochofen zu jeder einzelnen Glocke. Das Glockenmetall ist für alle Glocken das gleiche, bestehend aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn.

Die Chinesen haben schon vor Jahrtausenden die gleiche Legierung für Glocken verwendet. Das Glockenmetall wird im Hochofen mit Fichtenholz zum Schmelzen gebracht und auf 1200 Grad Celsius erhitzt. Ist alles zum Gusse bereit, dann kommt der von der Firma, dem Werkmeister, den Arbeitern und Zuschauern mit Spannung erwartete Augenblick, da der Glockenspeise durch Entfernung des Zapfens die Bahn zur Glocke freigegeben wird.

„Wohl, nun kann der Guss beginnen;
Schön gezacket ist der Bruch:
Doch bevor wir's lassen rinnen,
betet einen frommen Spruch!"

Die anwesenden Priester segnen die Glockenspeise. Ein Arbeiter mit langer Eisenstange in den Händen nimmt den Befehl des Giessmeisters entgegen: „Geselle ans Werk! Das walte Gott!" und stösst den Zapfen durch. Dann wälzt sich die glühende Erzmasse durch das schmale Kanalsystem, der Reihe nach von einer Glockenform zur andern, durch einen hohlen „Ast" der Glockenkrone, wobei durch die übrigen Öffnungen der Glockenkrone sich die Luft aus der Glockenform entfernt. Die Form ist gefüllt, die Glocke gegossen.

glocken1 5Dieser für den Zuschauer lang scheinende und nicht sehr gemütliche Prozess dauerte für den Guss unserer Glocken genau 10 Minuten.

Nach wenigen Tagen wird der noch dampfende, heisse Lehm aus der Grube geschaufelt und der äussere Mantel von der Glocke hochgezogen. Schliesslich ziehen Kranen die Glocken selbst aus der Grube und befördern sie zum Polieren in einen eigenen Werkraum.

Auf dem Probegerüst im Hofe der Giesserei nimmt die Expertise die Qualität des Ton­klanges jeder einzelnen Glocke und des gesamten Geläutes ab. Chorherr und Professor Friedrich Frei aus Luzern wertete Tonklang, Tonfarbe und Gesamtharmonie des Geläutes als sehr gediegen, klanglich sauber und harmonisch einwandfrei.