Die Weihe der Glocken
Der Bischof, begleitet von seiner Assistenz, umgeben von Geistlichkeit, Stiftern, Paten und Volk, beginnt die Weihe mit Psalmengebet. Buben und Mädchen beten dieses chorweise in deutscher Sprache. Mit eigens gesegnetem Wasser erfolgt nun die Abwaschung jeder einzelnen Glocke. Durch diese Reinigung wird die Glocke von allem Weltlichen abgesondert und für den heiligen Dienst bestimmt. Während der Abwaschung werden Psalmen gebetet mit der Aufforderung zum Gotteslob.
Dies ist ja die hohe Bestimmung der Glocken laut Inhalt des Weihegebetes. Durch ihren Schall sollen drohende Gefahren der Elemente und des bösen Feindes von den Gläubigen ferngehalten werden, durch ihren Ruf wird die Zeit des göttlichen Lobpreises angekündigt, die Andacht geweckt und vermehrt, durch ihren Schall erfolgt die Aufmunterung zur Kirche zu eilen, um in gemeinschaftlichem Gebet Gott zu loben und zu preisen.
Die nun gereinigte Glocke wird geheiligt durch die Salbung mit Krankenöl und Chrisam. Zuerst salbt der Bischof die Glocken aussen in Kreuzesform. Dadurch soll die höhere Macht, die dem Klang der Glocke innewohnen soll, übertragen werden. „Geheiligt vom Heiligen Geiste" soll der Ton wie „Gottes Stimme" alles Schädliche und Todbringende von den Gläubigen fernhalten, auf dass jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus im Kreuz den Tod überwunden und in der Glorie des Vaters herrsche. Nun zeichnet der Bischof wieder mit Krankenöl sieben Kreuze aussen und mit Chrisam vier Kreuze innen auf die Glocke.
Alle Menschen, die auf den Schall der Glocken zusammenkommen, sollen durch die siebenfache Gnade des Heiligen Geistes von allen Versuchungen des Feindes befreit werden, alle Gläubigen sollen zufolge der vier Kreuzzeichen immer die Wahrheit des katholischen Glaubens, die in den vier Evangelien niedergelegt ist, befolgen und mithelfen in der Verkündigung der Lehre und Verbreitung des gnadenreichen Christentums nach allen vier Weltgegenden.
Bei den Kreuzzeichen betet der Bischof: "Es sei geheiligt und geweiht diese Glocke im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
Der Weiheakt wird durch Beräucherung mit Weihrauch vollendet. Es wird nämlich ein Gefäss mit Weihrauch unter die Glocke gestellt, damit sie den ganzen Wohlgeruch in sich aufnehme. Während dieser Zeremonie wird der Psalm 76 gebetet, in dem Gott gepriesen wird, weil er das israelitische Volk an der Hand Moses und Arons so wunderbar und gnädig durch die Fluten geführt hat. Dadurch wird angedeutet und durch das damit gesprochene Gebet erfleht, dass, wo immer der Schall der Glocken ertöne, dort alles so voll der Gnade und des Segens sei, wie hier das Innere der Glocke voll des Wohlgeruches.Auch sollen wir durch den Glockenton ermuntert werden, in jeder Not und Drangsal vertrauensvoll zum Gebet unsere Zuflucht zu nehmen.
Mit dem bedeutungsvollen Evangelium, in dem Jesus zu Martha spricht: „Eines nur ist notwendig" schliesst die heilige Handlung. Die Glocke soll uns von der ängstlichen Sorge ums Irdische zurückrufen, sie soll ihr mächtiges „Sursum corda — die Herzen zu Gott empor" rufen, sie soll erinnern an den unvergänglichen Wert des Himmels, den wir über alles lieben und durch Jesus anstreben müssen. So ist die Glocke ein bleibendes Symbol des Predigers, des Apostels: „Über die ganze Erde geht aus ihr Schall, bis an das Ende des Erdkreises ihr Wort!"
Aus der Festschrift zur feierlichen Weihe der Kirchenglocken, von Pfarrer Josef Bischoff, 1953






