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Römisch-Katholische Kirche

St. Felix und Regula

Es dauerte lange, bis nach den Wirren der Reformationszeit in Zürich, die Stadt-Heiligen und -Patrone, Felix, Regula und Exuperantius, aus dem Grab der Vergessenheit wieder auferstanden.

Wandbild StadtheiligeEs blieben noch übrig die Kirchen der Innenstadt, das Grossmünster, Fraumünster, die Wasserkirche, bis heute noch die Wahrzeichen Zürichs; das Stadtsiegel der Stadtregierung seit 1347; das alljährliche Knabenschiessen nach dem 11. September - ihrem offiziellen Gedenktag - am 2. September-Sonntag, als weltlich gesellschaftlicher Teil nach dem religiös kirchlichen Teil. Wahrscheinlich auch noch das Sechseläuten mit der Fraumünster Frauenzunft, genannt „Fraumünstercheer“.

Die Münster-Kirchen mit ihren Reliquien wurden im 8/9. Jahrhundert zu bedeutenden und beliebten Wallfahrtsorten. Die damit verbundenen Herren- und Frauenstifte zu Ausstrahlungs- und Anziehungsorten für Bildung und Kultur in den vielseitigen Bereichen. Die einst aufwändig begangenen kirchlichen Feiern zu Ehren der Heiligen, um den 11. September herum, gerieten durch die Reformation Zwinglis und Bullingers in beinahe völlige Vergessenheit.

Es ist dem damaligen Diözesanbischof, Dr. Christianus Caminada, zu verdanken, dass die Verehrung der drei Heiligen allmählich wieder auferstand. Bei Kirchen-Neubauten legte der Bischof stets Wert darauf, erloschene Traditionen wieder aufzuspüren, neu zu beleben. Wenn ihm bei Nachforschungen erkennbar wurde, dass vor der Reformationszeit eine Kirche den Namen eines bestimmten Heiligen trug - als Kirchen-Patron - veranlasste er, dass die neuerbaute katholische Kirche diesen vergessenen Kirchen-Heiligen wieder zu Ehren Kommen liess.

So unter anderen die Stadtheiligen von Zürich in der Felix- und Regula-Kirche im Hardquartier, 1950; die St. Konrads-Kirche in Albisrieden, 1955, weil dort früher eine Konrads- und Ulrichs-Kirche stand; in Winterthur die Laurentius-Kirche, 1959, weil die Stadtkirche die Namen des heiligen Laurentius und Nikolaus trugen.

Die Lebensbeschreibung der Stadtheiligen hat die literarische Form einer Legende. Legende, aus dem lateinischen legenda, d.h. das zu Lesende, am Festtag des oder der Heiligen. Viele biblische „Geschichten“ haben Legenden-Charakter, Das heisst  nicht, dass wir sie deswegen gering schätzen sollen oder gar als unwahr und ungeschichtlich einstufen, so wenig wie Mythen, Märchen und Sagen. Erinnern wir uns an die Sage von Wilhelm Tell oder an die Märchen- und Sagensammlungen der Gebrüder Grimm, die zur Weltliteratur gehören.

Legenden, wie auch Mythen, Märchen und Sagen, sind weder wortwörtlich noch historisch im strengen Sinn zu verstehen, auch wenn sie oft auf ein historisches Ereignis oder einen historischen Ort zurückgehen. Doch ist ein historisch-geschichtliches Ereignis nicht alles. Es bedeutet wohl den Anfang einer geschichtlichen Entwicklung, einen gesicherten nachprüfbaren Untergrund, mit menschlichen Sinnen greifbar; befriedigt den Wissensdurst, den rationalen Verstand; ist bei aller Wertschätzung bloss Wissen, Wissenschaft.