7. Hirsch und Pferd Karls des Grossen bleiben vor dem Grab der Heiligen stehen
Eine spätere hinzukommene Legende ist schriftlich in den Statutenbüchern des Grossmünsters von 1346 und von Heinrich Brennwald in seiner grossen Schweizerchronik (1508-1516) festgehalten.
Nach dieser späteren Zusatzlegende jagte Kaiser Karl der Grosse einen besonders schönen Hirsch von Köln bis nach Zürich, wo dieser stehen blieb und in die Knie sank, an der Grabstätte der drei Märtyrer, angedeutet auf dem Bild mit den drei roten Kreuzen.
Der Hirsch symbolisiert im Kampf mit seinen Gegnern das Ringen zwischen Licht und Finsternis, von guten und bösen Mächten und Gewalten, im Geweih ein Symbol des Lichtes. Mit der Licht-Symbolik, die an Ostern wie an Weihnachten besonders stark zum Ausdruck kommt, verband sich der Gedanke an einen rettenden Überwinder, Schützer, Wegweiser und Toten-Führer.
Dies belegen Funde von Hirschgeweihen auf altgermanischen Grabstätten, wo sie als Gegenkraft gegen den Tod wirken sollen. Noch heute ist der Hirsch auf Grabdenkmälern zu finden an Wasserquellen. In Psalm 42 lesen wir: „Wie der Hirsch lechzt an versiegten Bächen, also lechzt meine Seele, o Gott, dach DIR!“
Wiederum finden wir auch den Hund, wie auf der 2. Tafel, doch nicht liegend ruhend dargestellt, sondern laufend, aufspürend, ähnlich wie in der alttestamentlichen Tobit Legende. Der Hund hat seine Aufgabe zu bewachen, zu beschützen; der Hirten- und Wächterhund. Hunde sind auch bekannt durch ihren ausgeprägten Spürsinn, Schäfer-, Polizei- und Katastrophenhunde, die unter Trümmern und Lawinen noch Überlebende aufspüren. So ist dieses symbolische Tier hier dargestellt: als Spuren-Sucher sowie als treuer Begleiter der Heiligen.
Die dritte Symbolgestalt, der Engel, wie in der Tobit Legende (Raphael) und in der Weihnachtserzählung bei Lukas (Gabriel) und den Ostererzählungen am Grab Jesu. Der Engel versinnbildet die Weg-Weisung und Weg-Begleitung Gottes in der oft abenteuerlichen, unsicheren, unbekannten Wanderschaft des Lebens-Weges. Er veranschaulicht die Gottes-Verheissung an Mose: „Siehe, ich sende meinen Engel vor Dir her, Dich zu behüten auf dem Wege und Dich an die Stätte bringen, die ICH bestimmt habe“, 2 Mose 23,20. Er kann auch versinnbilden das Reifen und Finden des eigenen ICHs nach allen Auseinandersetzungen auf dem Weg des Lebens zum wahren, ewig gültigen Leben. Im Hintergrund der Bildtafel ist angedeutet das Grossmünster.






